Ernesto and Rudi Bartusch

La Deliciosa, Argentinien

Im Tal des Rio Negro, in der argentinischen Provinz Nequen, liegt La Deliciosa, die Farm unserer Familie. Seit drei Generationen befindet sie sich in den Händen der Familie, mit einer nun schnell heranwachsenden vierten! La Deliciosa hat sich stetig über die Jahre zu einem nun 35ha großen Betrieb entwickelt, der hauptsächlich Äpfel, Birnen und Steinobst anbaut.

Seit kurzem werden auch andere Pflanzenarten wie zum Beispiel Knoblauch, Zwiebeln und Kürbisse angebaut, um die Vielfalt im landwirtschaftlichen System zu erhöhen. Die ursprünglichen Obstgärten liegen nahe der Stadt Centario. Da sie hauptsächlich von konventionellen Anbauflächen umgeben sind, schien dies zu Anfang ein Problem für die Farm zu sein, die ja auf biologische Wirtschaftsweise umstellen wollte.

Das war der Grund für den Kauf eines Landstückes nahe Aleno, etwa 60 km von der Stadt entfernt, tief in einem unberührten Gebiet, außer Reichweite von schädlichen Belastungen. Dieses Stück Land wurde von Beginn an biologisch bewirtschaftet und mit einer Vielzahl von verschiedenen Früchten bepflanzt. Um die Gärten zu bewässern, musste ein Kanal gebaut werden, der von den Familienmitgliedern bezahlt wurde. Er führt das Wasser des Rio Negro, das hoch aus den Gletschern der Anden kommt und von reinster Qualität ist.

Durch die Komplexität der biologischen Wirtschaftsweise und der Entfernung zur Stadt, wurde es nötig, einen Manager, der in Anelo die Geschicke leitet, einzustellen.
Die meisten Familienmitglieder arbeiten auf der Farm und im Export der Waren. Ernesto, der Vater, steht im Brennpunkt des Exportgeschehens und versucht soweit wie möglich auch auf der Farm mitzumischen. Seine Söhne, Schwiegersöhne und Töchter sind verantwortlich für Spezialgebiete wie Bewässerung, Export und Qualitätskontrolle.

Die ganze Familie sieht sich der biologischen Landwirtschaft verpflichtet und macht dies auch deutlich. Nachdem sie Erfahrungen mit belasteten Früchten gemacht hatten, beschloss die Familie eine neue Verpackungsanlage zu bauen, die ausschließlich auf die speziellen Anforderungen biologisch erzeugter Produkte zugeschnitten wurde. Da das meiste erwirtschaftete Geld wieder und wieder in die Farm gesteckt wurde, ist LaDeliciosa heute die größte Biofarm im Tal des Rio Negro.

 

Interview

N&M: Was überzeugte Sie, hier in Argentinien biologische Landwirtschaft zu betreiben? 
Ernesto: Da musste nicht viel Überzeugungsarbeit geleistet werden. Wir wuchsen mit biologischer Landwirtschaft auf, auch wenn wir es nicht so nannten. Meine Mutter und meine Frau hatten immer einen Garten, in den keine Chemikalien kamen.
Ich bedaure, in unseren Obstgärten in Centario selbst für eine kurze Zeit Chemie eingesetzt zu haben als ich als Vertreter für Bayer arbeitete. Doch die Produkte, die wir verkaufen sollten erzielten nicht den erwünschten Effekt, so dass wir wieder auf unser altes Wissen zurückgriffen. Schließlich hing ich meinen Beruf als Vertreter an den Nagel und kaufte unberührtes Land in der Nähe von Anelo. Zuerst pflanzten wir dort Pappeln, die leicht und ohne großen Aufwand zu versorgen waren. Als einer meiner Söhne aber das Management in Anelo übernahm, entschieden wir uns für Obstbäume.

N&M: Sie scheinen über die Art das Land zu bewirtschaften, begeistert zu sein! 
Ernesto: Ja, es macht mehr Freude. Einmal davon abgesehen, dass wir keine Chemie benutzen, sind die Menschen, die mit biologischer Landwirtschaft zu tun haben oft wesentlich freundlicher. Zwischen uns und unserem europäischen Importeur hat sich eine sehr gute Beziehung entwickelt und das bedeutet uns eine ganze Menge. Statt nur ein Lieferant unter vielen zu sein, schätzen wir sehr den persönlichen Kontakt.

N&M: Das klingt sehr spannend, aber wir können uns vorstellen, dass die biologische Landwirtschaft auch ihre Herausforderungen mit sich bringt? 
Ernesto: Natürlich. Da wo Licht ist, ist auch Schatten. Wir haben tatsächlich niedrigere Erträge, dafür haben wir aber auch weniger Inputkosten. Auch Dünger muss bezahlt werden. Was uns besorgt, ist das Biofrüchte nicht immer aussehen wie konventionell erzeugte. Es gibt also wesentlich mehr Früchte zweiter Wahl, aus rein kosmetischen Gründen.
Wir hoffen, das die Konsumenten irgendwann verstehen, das der wahre Nutzen der biologischen Landwirtschaft woanders liegt und dies mehr und mehr akzeptiert wird.
Anstatt mehr künstliche Hilfsmittel zu verwenden, beschäftigen wir mehr Arbeiter, und diese bringen immer neue Fragen mit. Das verursacht zwar manchmal Kopfzerbrechen, aber es ist am Ende immer die Sache wert.

N&M: Wie reagierten ihre Nachbarn auf ihre Wirtschaftsweise? 
Ernesto: Nun, das war mit Sicherheit die schwierigste Herausforderung. Sie dazu zu bekommen, ihre Spritzmittel nicht auszubringen, wenn der Wind in meine Richtung bläst, sondern nur dann, wenn er von woanders weht. Das war ein hartes Stück Arbeit und es Erfordert einige Anstrengungen seitens meiner Familie, meiner Frau und mir.
Und obwohl sie spritzen, können sie die Fruchtmotte (Carpo Capsa) nicht kontrollieren, die den Obstbauern das Leben schwer macht. Wir benutzen seit Jahren Pheromonfallen und haben damit das Problem ziemlich gut unter Kontrolle. Doch werden wir immer wieder von Nachbarplantagen durch dieses Tier heimgesucht. Dieses Jahr steuerten wir dem Problem mit noch mehr Fallen gegen.

N&M: Haben Sie versucht, Ihre Nachbarn von den Vorteilen der biologischen Landwirtschaft zu überzeugen? 
Ernesto: Natürlich, aber hier hat jeder seine eigenen Ideen. Andere Menschen zu verändern ist nicht einfach, darum konzentrieren wir uns eher auf unsere Familie. Ich hatte das Glück, die Farm von meinem Vater zu erben. Ich habe immer so viel wie nur irgend möglich dazu beigetragen und nun versuche ich mein Bestes, die Farm and die nächste Generation weiterzugeben.
Unsere Erfolgsgeschichte beruht darauf, dass wir immer alles Geld wieder in den Betrieb und in Menschen investiert haben. Ich freue mich, wenn unsere Art, eine Farm zu führen, andere inspiriert. Man kann letzten Endes nur sich selbst ändern.

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