Math Kersten

Vorster Hand

Unser Betrieb liegt im Südosten der Niederlande, in der Nähe des Dorfes Sevenum. Ich habe bereits mein ganzes Leben hier verbracht (jetzt bin ich 59 Jahre alt) und gesehen, wie sich der Betrieb im Laufe der Jahre entwickelt und verändert hat. Als mein Vater begann, war es ein typischer gemischter Landwirtschaftsbetrieb mit Ackerland und Nutztieren. 1980 waren wir einer der ersten Landwirtschaftsbetriebe, der sich auf den Anbau von Chicorée spezialisiert hat und heute, mehr als 30 Jahre später, bauen wir dieses köstliche und sehr besondere Gemüse noch immer an.

Neben dieser wichtigen Tätigkeit führen wir eine sogenannte „Care Farm“ (für Personen mit speziellen Bedürfnissen). Auf dieser „Care Farm“ unterscheiden wir zwei Hauptaktivitäten. Wir haben einerseits eine Gruppe junger Menschen mit einer Behinderung, die uns bei all unseren Aktivitäten rund um den Anbau von Chicorée helfen und die im Betrieb arbeiten. Meine Frau Toos begleitet diese Gruppe. Die zweite Gruppe sind unsere älteren Besucher, die Tagesausflüge in unseren Betrieb unternehmen. Diese Gruppe wird von meiner Tochter Eef betreut.

Interview
N&M: Chicorée ist ein sehr spezielles Produkt. Wie wird es angebaut?
Math: Das Anbauverfahren unterscheidet sich tatsächlich von dem anderer Produkte, da die Wurzeln des Chicorée nicht von den Chicorée-Landwirten selbst gezüchtet werden. Im Grunde wird Chicorée in zwei individuellen Schritten angebaut: Die Wurzelstöcke werden, ähnlich wie in einer Pflanzenschule die Setzlinge, erst im Boden gezogen. Anschließend ziehen wir die weißen Blätter in speziellen dunklen Kellern, wo die Wurzeln der Pflanze ohne Licht wachsen und beginnen zu keimen. Diese werden dann in den Geschäften als Chicorée verkauft. Die Dunkelheit sorgt im Prinzip dafür, dass die Blätter der Pflanze weiß bleiben.

N&M: Was war für Sie der Hauptgrund, um einen ökologischen Landwirtschaftsbetrieb zu beginnen?
Math: Ich hatte schon immer einen starken Hang dazu, den Betrieb auf ökologische Landwirtschaft umzustellen. Meine Kollegen waren daher wahrscheinlich nicht wirklich überrascht von meiner Entscheidung. Die zwei Hauptgründe für die Umstellung sind die folgenden: Erstens ist es logisch, die ökologische Landwirtschaft mit einer „Care Farm“ zu verbinden. Zweitens wurde unser Betrieb zu klein, um uns gegen die großen konventionellen Chicorée-Landwirtschaftsbetriebe zu behaupten.

N&M: Was sind die größten Unterschiede zwischen ökologischer und konventioneller Landwirtschaft?
Math: Einmal abgesehen von der Tatsache, dass wir zertifizierte ökologisch gezogene Wurzelstöcke einkaufen und natürlich keine aggressiven Chemikalien einsetzen dürfen, überwachen wir das Wachstum auch viel genauer. Der Schwerpunkt liegt jetzt darauf, Fehler zu vermeiden, bevor sie entstehen können. Daher verwenden wir viel mehr Zeit darauf, die Wurzeln zu beobachten und Hinweise auf Krankheiten zu finden.

N&M: Mit welchen Problemen oder Herausforderungen werden Sie konfrontiert?
Math: Das Hauptproblem beim Anbau von Chicorée sind Pilze, die die Pflanzen verrotten lassen.  Statt Pilzbekämpfungsmittel einzusetzen, vernichten wir jetzt alle befallenen Pflanzen und spülen den Rest mit frischem Wasser ab, um die Pilzsporen zu beseitigen. Das ist ein sehr arbeitsintensives Verfahren.

N&M: Wie ist die „Care Farm“ entstanden?
Math: Als wir 1980 mit dem konventionellen Anbau von Chicorée begannen, waren wir einer der ersten Betriebe auf diesem Gebiet. In den nächsten 20 Jahren konnten wir einige Erfolge verbuchen, hatten jedoch auch mit einigen sehr schlechten Jahren zu kämpfen. 1998 war ein ausgesprochen schlechtes Jahr. Daher entschied sich meine Frau Toos, wieder in die Arbeit im Gesundheitssektor einzusteigen. Einige Jahre später, als das Geschäft wieder anzog, beschloss sie, zurück in den Betrieb zu kommen, ihre Arbeit in der Pflege und Betreuung von Menschen jedoch fortzusetzen. Es war nur logisch, eine kleine „Care Farm“ zu beginnen. 2004 war ein weiteres schlechtes Jahr für den Anbau von Chicorée. Wir mussten uns entscheiden, wie wir den Betrieb in Zukunft führen wollten. Wir beschlossen, die „Care Farm“ zu unserem Hauptgeschäft zu machen. 2006 stieg auch unsere Tochter Eefje mit ein, um die älteren Besucher bei ihren Tagesausflügen zu begleiten.

N&M: Welche Aktivitäten bieten Sie Ihren Besuchern?
Math: Mal sehen... Natürlich die Tätigkeiten, die zum Anbau von Chicorée gehören. Darüber hinaus haben wir ziemlich viele Tiere, die versorgt werden müssen, darunter 15 Schafe, einige Kühe, 4 Ponys, einen Esel, Hühner, 2 Hunde, 4 Katzen, ein paar Kaninchen und einige Goldfische. Außerdem stellen wir unseren eigenen Wein her, hacken Holz, veranstalten Indoor-Aktivitäten, füttern die Gänse des Nachbarn, fertigen Holzschnitzarbeiten an und vieles mehr. Das wichtigste ist nicht, was unsere Besucher tun, sondern dass sie sich bei uns wie zu Hause fühlen!

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