Johannes de Lange

Blue Crane

„Man sagt das ich den treibende Kraft der Genossenschaft Sun Valley Farms bin. Ich merkte mit der Zeit, dass die warme Luft des Tals wegen des intensiven Gebrauchs von Chemikalien nicht länger den Duft der Orangen trug und dass wegen der Deregulierung des Zitrusgeschäfts mehr und mehr Anbauer ihre Betriebe schlossen. Ich befasste mich intensiv mit dem Problem und kam zu dem Schluss, dass biologischer Anbau beide Probleme lösen könne. Deshalb organisierte ich einen Workshop über biologische Landwirtschaft und regte damit mehrere Anbauer an, die meine Ansichten teilten.“

 

Einige der Plantagen wurden, nach Jahren der Vernachlässigung, wieder langsam in einem gesunden Zustand zurückgebracht. Die Bäume waren seit mehreren Jahren nicht mehr bewässert worden und hatten ihre Blätter verloren. Heute sehen sie wieder gesund und kräftig aus. Diese biologischen Zitrusplantagen unterscheiden sich von den herkömmlichen Anbauflächen auch dadurch, dass sie mit Bodendeckern bepflanzt sind, und keinen nackten Boden zeigen.

Der Name „Blue Crane“ steht für den Nationalvogel Südafrikas, den Paradieskranich. Die Federn dieses Vogels wurden traditionell vom Volk der Xhosa verwendet und als Vorbereitung auf eine kriegerische Auseinandersetzung ins Haar geflochten. Die Männer mit den blauen Federn im Haar wurden „Ugaba“ genannt, was so viel wie „Ärger“ bedeutet. Nur sie waren in der Lage, Frieden und Ordnung wiederher-zustellen, wenn es Ärger gab, so der Glaube der Xhosa.

Sun Valley Farms bietet seinen Mitgliedern fachliche Beratung und organisiert die Logistik für den Export organischer Produkte. Die Genossenschaft hat damit ihren Mitgliedern einen neuen Weg der Produktion und des Verkaufs gewiesen. Sie hat außerdem das Ziel, auch andere Anbauer dazu zu bringen, in Zukunft auf biologischen Anbau umzustellen.

Interview

N&M: Was war der Grund, warum Sie auf biologische Landwirtschaft umgestellt haben? War es die Tatsache, dass das Tal mit immer mehr Chemikalien kontaminiert wurde, oder war es, weil der Verkauf biologischer Zitrusfrüchte wirtschaftlich vorteilhafter war?
Blackie: Ich glaube nicht, dass man diese Frage einfach schwarz-weiß beantworten kann. - Meine Frau und ich sind in der Mitte der neunziger Jahre hierher gezogen. Damals konnte man das Spritzgut, das die Zitrusbäume erhielten, wie einen Nebel über dem Tal liegen sehen. Einige der örtlichen Ärzte machen die Chemikalien verantwortlich für die immer öfter vorkommenden Allergien, für die weit verbreitete Bronchitis und sie hielten sie für gefährlich für schwangere Frauen. Wir waren dabei, dieses schöne Tal, das uns alle ernährte, zu zerstören! Deshalb beschlossen wir, dass irgendjemand etwas tun musste, damit sich diese Situation ändert. Wir stellten einen Teil unserer Produktion im Jahr 2000 auf biologisch um. Ich muss natürlich auch sagen, dass wir auch von den höheren Preisen, die für biologische Produkte bezahlt wurden beeindruckt waren, aber es ist ja auch so, dass eine Umstellung auf biologische Methoden ein Risiko beinhaltet.

N&M: Es scheint also, dass der ökologische und der ökonomische Aspekt miteinander zusammenhängen?
Blackie: Natürlich. Ohne die höheren Preise, die wir für biologische Waren erhalten, hätten wir es uns nie erlauben können, umzustellen. Und ohne eine Umstellung hätten wir niemals höhere Preise rechtfertigen können. Es macht viel mehr Mühe, biologisch zu produzieren. Wir halten zum Beispiel unsere Plantage das gesamte Jahr über bepflanzt. Das bedeutet, dass wir unser Bewässerungssystem ändern mussten, denn es muss natürlich auch ganzjährig bewässert und bearbeitet werden. Während einerseits die Bodendecker nützliche Insekten beherbergen, bieten sie auch Schädlingen Schutz, wie z.B. Schnecken usw.

N&M: Andere biologische Landwirte setzen Enten und Gänse ein, um die Schnecken unter Kontrolle zu halten – das scheint doch eine einfache Lösung zu sein. 
Blackie: Man muss sich immer bewusst machen, dass jede Situation anders ist. Enten und Gänse eignen sich gut für kleinere Betriebe in Europa. Hier sind die Betriebe aber etwas größer und das Zusammenhalten der Tiere wäre nicht leicht. Wir haben es auf Ihren Vorschlag hin mit Gänsen versucht, haben sie aber alle verloren wegen der wilden Katzen hier. Einer unserer Anbauer sah, dass Perlhühner vor diesen Raubtieren viel schneller fliehen können. Sie bleiben auch an einem Ort, wenn sie regelmäßig gefüttert werden. Deswegen experimentieren wir jetzt mit Perlhühnern, um herauszufinden, wie effektiv die sind.

N&M: Das klingt sehr interessant, aber nach europäischen Vorschriften dürfen in Obstplantagen keine Hühner gehalten werden, um so eine Infektion mit Salmonellen zu vermeiden. 
Blackie: Wir halten uns an die europäischen Vorschriften und nehmen die Perlhühner enige Wochen vor der Ernte aus der Plantage heraus, das ist also kein Problem. - Andererseits wären Perlhühner auf alle Fälle in unseren Plantagen. Sie treten ganz natürlich auf, wie in Europa die Drosseln und die Tauben. Ich verstehe, dass die Verbraucher ein sicheres Produkt haben müssen, aber es ist auch wichtig, dass man versteht, dass die Erzeugung von Nahrungsmitteln in einem natürlichen Umfeld mit verschiedenen Tieren und Pflanzen stattfindet. Wird dies im Gleichgewicht gehalten - etwas, das biologische Landwirte immer anstreben - dann braucht man sich über solche Fragen keine Sorgen zu machen.

N&M: Wir hörten, dass Sie in Kürze in großem Stil Kompost in ihren Plantagen anwenden werden.
Blackie: Ja. Wir haben in der Vergangenheit speziell bereiteten Kompost gekauft, und damit experimentiert. Die in den Plantagen gezeigten Ergebnisse waren überzeugend und wir haben an verschiedenen Kursen teilgenommen um zu lernen, selbst Kompost zu machen. Wir haben Spezialisten hier gehabt, sowohl aus Südafrika, als auch aus Europa, und haben kürzlich auch die nötigen Maschinen und Geräte bestellt. Auch werden wir mit der örtlichen Verwaltung zusammenarbeiten, um Grünabfälle zu sammeln. Dadurch braucht man dort nicht mehr Abfall zu entsorgen, als notwendig ist, und wir bekommen den notwendigen Rohstoff zum Bereiten von Kompost.

N&M: Ist es richtig, dass die Anwendung sicherer und effektiver Kompostierungsmethoden das Auftreten von Salmonellen im Kompost verhindert?
Blackie: Ja, sicher. Wir wenden eine sehr disziplinierte Methode an, die aerobische Windreihenkompostierung. Diese Methode basiert auf einem optimalen Gleichgewicht zwischen sich zersetzender Biomasse und sich bildendem Humus. Die Bakterien und Pilze erzeugen genug Hitze, damit die Biomasse zersetzt wird und schädliche Organismen und Unkräuter abgetötet werden. Das heißt, dass der Komposthaufen mindestens 55ºC und höchstens 65ºC warm ist. Die Windreihen müssen also regelmäßig umgesetzt werden, um Überhitzung zu vermeiden, so dass die sich bildenden Organismen alle Bodenteilchen, Biomasse, Aminosäuren usw. binden können, um die krümelige Struktur zu erzeugen, die wir Humus nennen.

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