Was ist biologisch?

Bio-Lebensmittel schmecken in erster Linie sehr gut, sind gesund und Sie können sie unbedenklich genießen, weil sie den gesetzlichen Richtlinien unterliegen. Der Absatz und das Bewusstsein für Bio-Lebensmittel ist in den letzten Jahren kontinuierlich gestiegen - trotz wirtschaftlicher Höhen und Tiefen. Die Rolling Stones, Gwyneth Paltrow und auch Michelle Obama, sie alle schwören auf Bio. Aber was genau ist ein Bio-Lebensmittel? 

In Kürze
Die Grundlage für die ökologische Landwirtschaft ist ein gesunder, nährstoffreicher und lebendiger Boden. Denn 99,7 % unserer Nahrung wächst auf dem Boden. Zudem erfolgt die Herstellung von Bio-Lebensmitteln:

  • mit Respekt vor der Natur
  • mit Respekt vor den Tieren
  • ohne Einsatz von chemisch-synthetischen Pflanzenschutzmittel, wie Pestizide, Fungizide etc.
  • ohne Einsatz von leicht löslichen mineralischen Düngemitteln
  • ohne Einsatz von gentechnisch veränderten Mikroorganismen (GVOs)
  • ohne Einsatz von Geschmacksverstärker, künstlichen Aromen sowie künstlichen Farb- und Konservierungsstoffen
  • ohne Einsatz von wachstumsfördernden Stoffen im Futter und weitgehender Verzicht auf Antibiotika
  • unter strikten Kontrollen durch unabhängige Institutionen (z.B. Eu-Öko-Kontrollstellen, BCS, Bio Suisse, Soil Association, KRAV, usw.)

Mehr Informationen über die Wichtigkeit gesunder Böden erfahren sie unter: www.saveoursoils.com.

Die Wertvorstellungen der ökologischen Landwirtschaft
Die Wertvorstellungen der ökologischen Landwirtschaft basiert auf den 3 Säulen der Nachhaltigkeit: Ökonomie, Ökologie und Soziales. Die Bewirtschaftung einer Fläche soll demnach so erfolgen, dass diese auch für die nachkommenden Generationen erhalten bleibt. Die Nachhaltigkeitsblume von Nature & More unterstreicht diese Idee und bringt zum Ausdruck, was ganzheitliche Nachhaltigkeit bedeutet. Die Nachhaltigkeitsblume betrachtet neben der Erde und den damit verbundenen Elementen Boden, Wasser und Klima auch die ethischen, wirtschaftlichen und kulturellen Aspekte des Anbaus, der Herstellung und der Verarbeitung von Lebensmitteln. Untersuchungen der Universität Wageningen in den Niederlanden haben bereits 2012 bestätigt, dass die ökologische Landwirtschaft, auch wenn sie nicht alle Bereiche gleichzeitig abdecken kann, dennoch der größtmögliche nachhaltigste Ansatz ist.

Rechtslage
Die ökologische Landwirtschaft sowie die Herstellung und Verarbeitung von Bio-Lebensmitteln unterliegt gesetzlichen Rahmenbedingungen, die der Kontrolle von unabhängigen Institutionen in regelmäßigen Abständen unterliegt. Die ökologische Landwirtschaft ist damit der einzig existierende Ansatz, der sowohl durch Wertvorstellungen, als auch durch eine Gesetzgebung verankert ist.

Die ökologische Landwirtschaft ist der einzig existierende Ansatz, der sowohl durch Wertvorstellungen, als auch durch eine Gesetzgebung verankert ist

Definitionen und Prinzipien
Die Internationale Vereinigung der ökologischen Landbaubewegungen (IFOAM) ist die Dachorganisation der weltweiten Bio-Bewegung. Sie hat u.a. Prinzipien entwickelt, die die Basis für das Wachstum und die Weiterentwicklung der ökologischen Landwirtschaft bilden: 

1. Health
Die ökologische Landwirtschaft soll die Gesundheit des Bodens, der Pflanzen, der Tiere, des Menschen und des Planeten als ein Ganzes und Unteilbares bewahren und stärken.

2. Ökologie
Die ökologische Landwirtschaft soll auf lebendigen Öko-Systemen und Kreisläufen aufbauen, mit diesen arbeiten, sie nachahmen und stärken. 

3. Gerechtigkeit
Die ökologische Landwirtschaft soll auf Beziehungen aufbauen, die Gerechtigkeit garantieren im Hinblick auf die gemeinsame Umwelt und Chancengleichheit im Leben. 

4. Sorgfalt
Die ökologische Landwirtschaft soll in einer vorsorgenden und verantwortungsvollen Weise betrieben werden, um die Gesundheit und das Wohlbefinden der jetzigen und
Generationen zu bewahren und um die Umwelt zu schützen. 

Mehr Informationen zu den Prinzipien der IFOAM finden Sie hier: 
https://www.ifoam.bio/sites/default/files/poa_german_web.pdf

IFOAMs Definition über ökologische Landwirtschaft
"Die ökologische Landwirtschaft ist eine Anbaumethode, die die Gesundheit der Böden, der Öko-Systeme und der Menschen stärkt und erhält. Sie ist eher an ökologische Prozesse, die Biodiversität und lokal angepasste Kreisläufe gebunden, als an externe Mittel mit nachteiligen Auswirkungen für Mensch und Natur. Die ökologische Landwirtschaft vereinigt Tradition, Innovation und Wissenschaft zum Vorteil der gemeinsamen Umwelt und um faire Beziehungen und eine hohe Lebensqualität für alle Beteiligten zu fördern."

In der Praxis
In der ökologischen Landwirtschaft beginnt alles mit einem gesunden, lebendigen Boden. Denn 99,7 % unserer Nahrung wächst auf dem Boden. Die ökologische Landwirtschaft fördert die Bodenfruchtbarkeit, weil sie natürliche Methoden und Kreisläufe nutzt. Sie verzichtet komplett auf leicht lösliche mineralische Dünge- und chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel und setzt stattdessen auf organischen Kompost, verschiedene Fruchtfolgen und Gründüngung. Eine detailliertere Übersicht finden Sie auch unter: Was tut ein Bio-Landwirt?

Die Produkte
Jedes Produkt, das ihren Ursprung in der Landwirtschaft hat, kann ökologisch angebaut werden. Dazu gehören auch die so genannten Aquakulturen, für die es ökologische Richtlinien gibt. Wildpflanzen hingegen gehören laut Definition nicht zur ökologischen Landwirtschaft, dafür aber:

  • Blumen und Pflanzen
  • Bäume und Holz
  • Samen und Keimlinge
  • Obst und Gemüse
  • Fleisch- und Milchprodukte
  • Fisch und Meerestiere
  • Verarbeitete Lebensmittel wie Kaffee, Tee, Brot, Erdnussbutter etc.
  • Kosmetische Produkte
  • Kleidung aus Naturfaser

Entsprechend der EU-Öko-Verordnung müssen verarbeitete Lebensmittel mindestens zu 95% aus ökologischen Inhaltsstoffen bestehen, um sie als „ökologisch” deklarieren zu dürfen. Der Einsatz von Geschmacksverstärker, künstlichen Aromen sowie künstlichen Farb- und Konservierungsstoffen ist verboten.

Bewegungen der ökologischen Landwirtschaft
Es gibt mehrere Bewegungen der ökologischen Landwirtschaft. Zwei davon gelten in der westlichen Welt als anerkannt: 

  • Die „normale“ ökologische Landwirtschaft­ reguliert durch Gesetze in Europa, in den USA, in Japan und in vielen anderen Ländern.
  • Die biologisch-dynamische Landwirtschaft - befolgt ebenfalls die gesetzlichen Regelungen, jedoch erhebt der Anbauverband Demeter e.V. zusätzliche Anforderungen.

Weitere Bewegungen der ökologischen Landwirtschaft

  • Mitte der 1970er Jahre entwickelten die beiden Australier Bill Mollison und David Holmgren Ideen zum Aufbau langfristig ertragreicher landwirtschaftlicher Systeme als nachhaltigen Gegenentwurf zum vorherrschenden industriellen Agrarsystem. Im Prinzip „entdeckten“ sie die Kreisläufe des in Europa bereits bekannten Biolandbaus für sich und ihren Kontinent neu und setzten auf Gestaltung und Bewahrung von Vielfalt – siehe auch https://de.wikipedia.org/wiki/Permakultur
  • Beispiele für Permakultur-Systeme sind u.a. die Aquakultur und der Waldgarten, der auch als Grundlage für die Agrarforstwirtschaft dient, wo es darum geht, Elemente der Landwirtschaft mit denen der Forstwirtschaft zu kombinieren, um durch eine intelligente Auswahl an kooperierenden Pflanzengesellschaften über mehrere Jahre hinweg ein in sich selbst erhaltendes System zur Nahrungsversorgung aufzubauen, wobei einzig die ökologische Vielfalt für Flexibilität und Stabilität sorgt. 
  • Auch die Fukuoka Philosophie gehört dazu. Das Konzept des japanischen Bauern Fukuoka Masanobu für die natürliche Landwirtschaft lautet: Die Natur ist in der Lage, sich selbst zu erhalten. Sie bedarf menschlicher Eingriffe nicht. Er nutzt die Kraft der Natur durch die gezielte Kombination verschiedenster Pflanzen und das ökologische Gleichgewicht zum Schutz der Nutzpflanzen vor Schädlingen sowie zur Nährstoffanreicherung des Bodens. Dadurch sind seine Felder und Gärten reich an Pflanzen und Tieren und müssen weder gepflügt noch chemisch-synthetisch gedüngt werden.

Gründer der ökologischen Landwirtschaft

  • Rudolf Steiner (1861-1925), Anthroposoph und Gründer der biologisch-dynamischen Landwirtschaft. Bereits 1923 sah er die negativen Konsequenzen der industriellen Landwirtschaft voraus.  
  • Albert Howard (1873-1947): Hervorstechender Vorreiter in der ökologischen Landwirtschaft im angelsächsischen Raum.
  • Ehrenfried Pfeiffer (1899-1961), Student von Steiner, der seine Ideen weiterverfolgte. Er emigrierte in die Niederlande und die USA, entwickelte dort ein Verfahren zur Kompostierung von Großstadtabfällen und forschte weiter auf dem Gebiet des biologisch-dynamischen Landbaus. 
  • Lady Evelyn Barbara „Eve“ Balfour (1899-1990): Schlüsselfigur in der Entwicklung des ökologischen Landbaus im Commonwealth of Nations und Mitbegründerin der Soil Association, die bis heute der Dachverband des Organischen Landbaus in Großbritannien ist.

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