Ist biologisch gesünder?

Gesunde Lebensmittel kommen aus einer gesunden Landwirtschaft. Produzenten von Babynahrung verwenden daher fast ausschließlich Bio-Produkte, weil Bio-Gemüse und -Obst in der Regel frei von Pestizidrückständen sind. Forschungen nach enthalten sie auch mehr Vitamine, Mineralien, Antioxidantien und bioaktive Materie. In ökologisch erzeugten Milchprodukten sind mehr gesunde Fettsäuren und in Bio-Fleisch weniger antibiotikaresistente Bakterien zu finden. Letztlich gibt es derzeit jedoch noch keine eindeutigen wissenschaftlichen Befunde über die gesundheitliche Wirkung von Bio-Lebensmitteln. 

British Journal of Nutrition, 2014

Biolebensmittel enthalten weniger Schwermetalle und Pestizide, dafür mehr Antioxidantien. Das geht aus einer umfassenden Studie hervor, die 2014 im Fachmagazin British Journal of Nutrition erschien. Wissenschaftler der Universität Newcastle werteten dafür 343 Studien zu den Inhaltsstoffen biologisch und konventionell angebauter Feldfrüchte aus. Demnach weisen Bioprodukte eine im Schnitt 18 bis 69% höhere Konzentration an sechs Antioxidantien auf, denen eine wichtige Rolle bei der Prävention chronischer Krankheiten zugeschrieben wird und die laut der Deutschen Krebsgesellschaft das Krebsrisiko senken können. Die Ernährung mit biologischem Obst, Gemüse und Getreide macht einen Unterschied bei der Menge an Antioxidantien, die ein bis zwei Portionen Obst und Gemüse täglich entspricht. Bio enthielt zudem weniger giftige Schwermetalle, im Schnitt etwa 48% weniger Kadmium. Außerdem waren in Bioprodukten 10% weniger Gesamtstickstoff, 30% weniger Nitrat und 87% weniger Nitrit feststellbar. Pestizidrückstände sind viermal geringer als bei konventionell hergestellten Produkten. „Die Debatte Bio versus Nicht-bio läuft bereits seit Jahrzehnten. (...) Wir haben zweifelsfrei gezeigt, dass sich biologisch und konventionell angebaute Kulturpflanzen bezüglich ihrer Nährwertzusammensetzung unterscheiden“, sagte der Leiter der Studie Carlo Leifert von der Universität Newcastle. Die Ergebnisse widerlegen eine 2009 von der UK Food Standards Agency beauftragte Studie, die keinen signifikanten ernährungsphysiologischen Nutzen durch Biolebensmittel feststellen konnte. Diese Studie stützte sich nur auf 46 Publikationen zu Nutzpflanzen, Fleisch und Milchprodukten, während die aktuelle Metaanalyse 343 wissenschaftliche Publikationen erfasst. „Der größte Unterschied zwischen den beiden Studien ist der zeitliche Aspekt. Forschung auf diesem Gebiet braucht Zeit, um in Gang zu kommen und uns stehen jetzt viel mehr Daten zur Verfügung als noch vor fünf Jahren”, so Leifert.

Die Stanford-Studie

Im Jahr 2012 veröffentlichte die Stanford University eine umfangreiche Studie über gesundheitliche Auswirkungen von Bio-Lebensmitteln im Vergleich zu herkömmlichen Lebensmitteln. Zusammenfassend kamen die Forscher zum Schluss, dass die Beweise nicht ausreichend sind, um Bio-Lebensmittel als gesünder zu beschreiben. Allerdings stellte die Studie heraus:

  • Bio-Lebensmittel enthalten 30% weniger Pestizide.
  • Bio-Lebensmittel sind weniger häufig mit multiresistenten Bakterien belastet.
  • Bio-Lebensmittel enthalten wesentlich mehr Antioxidantien.

Eine kritische Auswertung der Stanford-Studie finden Sie hier.

Wissenschaftliche Zweifel

Man kann nicht einfach behaupten, dass Bio-Lebensmittel gesünder sind. Auch wenn Bio-Gemüse einen höheren Vitamin C-Gehalt aufweist, bedeutet das nicht zwangsläufig, dass es gesünder ist. Die Gesundheit zu messen ist eine sehr komplexe Sache, bei der Forschungen unter Laborbedingungen andere Ergebnisse liefern als im Feld. Daher liefern unterschiedliche Studien häufig widersprüchliche Ergebnisse.

Mütter und Kinder

Während der Schwangerschaft oder in der Stillzeit wechseln zahlreiche Frauen zu Bio-Lebensmitteln. Das ergibt Sinn, denn Kinder haben eine sehr geringe Körpermasse, was sie empfindlicher für Pestizidrückstände in ihrer Nahrung macht. Babys sind sogar noch empfindlicher, da schädliche Substanzen in der ersten Lebensphase noch leichter bis zum Gehirn vordringen können. Bei Kindern, die konventionelles Obst und Gemüse zu sich nahmen konnten Forscher Spuren von Pestiziden im Urin nachweisen. Sobald sie auf Bio-Lebensmittel umstiegen verschwanden diese Spuren aus ihrem Urin. Eine andere Studie wies bei Müttern, die Bio-Milchprodukte zu sich nahmen, mehr gesunde Fettsäuren in deren Muttermilch nach. Die niederländische Behörde zur Qualitätskontrolle von Lebensmitteln wies die größten Pestizidrückstände in Äpfeln, Trauben, Mandarinen und Erdbeeren nach. Rückstände waren demnach in 95 % aller niederländischen Äpfel zu finden, in jedem Apfel sogar Rückstände von durchschnittlich vier verschiedenen Pestiziden. Da chemisch-synthetische Pflanzenschutzmittel in der ökologischen Landwirtschaft keine Anwendung finden, sind sie eine vernünftige Wahl für ihr Kind.

Weitere Forschung

Eine aktuelle Studie von der Newcastle University, die im British Journal of Nutrition veröffentlicht wurde, stellte in Bio-Lebensmitteln mehr Antioxidantien und weniger Pestizide fest. Bei dieser Studie ist von der bisher umfangreichsten Literaturstudie die Rede.

Im Jahr 2009 hat eine niederländische Studie, die vom Louis Bolk Institute und RIKILT veröffentlicht wurde, die bis dahin neusten wissenschaftlichen Daten zusammengestellt. Die Behauptungen wurden verschiedenen Glaubhaftigkeitsstufen zugewiesen. Je mehr Sterne eine Behauptung hat, desto sicherer ist sie. Einige der Ergebnisse sind:

  1. ****: Bio-Obst und -Gemüse enthalten mehr bioaktive Stoffe wie Antioxidantien.
  2. ***: Bio-Obst und -Gemüse haben einen höheren Gehalt an Vitamin C.
  3. ***: Bio-Obst und -Gemüse enthalten weniger Pestizidrückstände.
  4. ***: Bio-Milchprodukte haben einen höheren Gehalt an Omega-3 und CLA-Fettsäuren.
  5. ***: In Bio-Schweinen und -Hühnern sind weniger antibiotikaresistente Bakterien enthalten.
  6. **: Bio-Lebensmittel können eine Rolle im Schutz vor Allergien spielen und stärken das Immunsystem. 
Bio-Obst und -Gemüse enthalten mehr bioaktive Stoffe wie Antioxidantien

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